Der Süden von Gran Canaria: welcher Ort zu wem passt
Aktualisiert 6. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Der Süden Gran Canarias ist keine Gegend, sondern eine Kette. Von San Agustín bis Puerto de Mogán sind es rund dreißig Kilometer Küste, aufgereiht an einer Autobahn, und darauf liegen acht Orte, die einander äußerlich ähneln und in der Praxis kaum etwas gemeinsam haben. Wer hier zwei Wochen bucht, entscheidet sich nicht für „den Süden”, sondern für einen dieser acht.
Wie sehr sich der Urlaub hier abspielt, zeigt der Bestand selbst: 80 der 231 Angebote, die auf dieser Insel buchbar sind, nennen schon im Titel einen Ort im Süden oder die Südküste. Auf Las Palmas und den ganzen Norden entfallen 25.
Warum ausgerechnet hier
Der Grund ist der Passat. Der Wind kommt fast das ganze Jahr aus Nord bis Nordost, läuft gegen ein Gebirge von knapp zweitausend Metern und lässt seine Feuchtigkeit im Norden. Was auf der anderen Seite ankommt, ist trocken und meist wolkenlos. Deshalb regnet es hier selten, deshalb liegt das Meer ruhiger als an der Nordküste, und deshalb legen die Boote hier ab und nicht dort.
Der zweite Grund ist Baugeschichte. Die Orte des Südens sind ab den sechziger Jahren auf einer nahezu leeren Küste entstanden, geplant als Ferienziel und nicht gewachsen. Das erklärt die geraden Straßen, die Einkaufszentren und den Umstand, dass es hier fast keine alten Ortskerne gibt. Wer historische Substanz sucht, findet sie im Norden und im Inselinneren, nicht hier.
Die acht Orte, von Ost nach West
San Agustín ist der älteste und ruhigste der Reihe, mit dunklem Sand und einem Publikum, das schon länger herkommt. Wer abends nichts sucht außer einem Restaurant, ist hier richtig. Es gibt auch Surfunterricht direkt am Ort, für 49 €.
Playa del Inglés ist die große Nummer: die längste Promenade, die meisten Läden, das meiste Abendleben. Vor dem Strand liegen die Jetskis, das Bananenboot für 25 € und das Parasailing. Hier stehen auch die meisten Surfschulen des Südens, mit Kursen ab 49 €. Schön im architektonischen Sinn ist der Ort nicht, und wer das erwartet, wird enttäuscht. Praktisch ist er, und für Familien mit größeren Kindern ist die Dichte an allem ein echtes Argument.
Maspalomas heißt zweierlei: der Ort und das Dünengebiet. Die Dünen stehen seit 1987 unter Naturschutz, am westlichen Ende steht der Leuchtturm, der seit 1890 in Betrieb ist, und dazwischen liegt der Charco, eine Brackwasserlagune, in der Vögel rasten. Der geführte Kamelritt am Rand der Dünen kostet 18 €, dauert 30 Minuten und ist mit 5.124 Bewertungen bei 4,5 Sternen eines der meistgebuchten Erlebnisse der Insel.
Meloneras schließt westlich an, ist jünger, teurer und ruhiger, mit einer Uferpromenade, die bis zum Leuchtturm führt. Wer hier wohnt, geht abends spazieren statt aus.
Arguineguín ist der einzige Ort der Reihe, der vorher schon da war — ein Fischerort, der sich einen Alltag behalten hat. Der Markt ist ein eigener Programmpunkt; eine Rundfahrt zum Flohmarkt und zum Hafen von Mogán kostet 55 €.
Anfi del Mar ist eine kleine, künstlich angelegte Bucht mit hellem Sand und sehr ruhigem Wasser. Vor dem Strand findet Parasailing für 50 € statt, dazu Flyboard und geführte Buggy-Touren ab dem Strand.
Puerto Rico ist der Motor des Ganzen. Von hier legt fast alles ab, was auf dem Wasser stattfindet: die Delfin- und Walbeobachtung ab 30 €, die Katamaranfahrten mit Delfinbeobachtung und Schnorcheln ab 38 €, die Jetski-Touren ab 69,90 €. Der Ort selbst ist eng und steil gebaut; wer nur wegen der Boote kommt, stört das nicht.
Puerto de Mogán liegt am westlichen Ende und ist der hübscheste Ort des Südens — niedrige weiße Häuser, Kanäle mit kleinen Brücken, ein Fischereihafen neben der Marina. „Klein-Venedig” nennen es die Prospekte, und ausnahmsweise stimmt der Vergleich halbwegs. Hier startet die U-Boot-Fahrt für 38 €, die mit 4.309 Bewertungen zu den meistgebuchten Angeboten der Insel gehört, dazu die Kajaktouren zu den Höhlen der Küste für 65 €. Der Marktbesuch im Ort wird für 22 € geführt angeboten.
Die Strände sind nicht derselbe Strand
„Strand im Süden” klingt nach einer Sache und ist mindestens vier. Playa del Inglés und Maspalomas hängen zusammen und bilden mehrere Kilometer offenen Sand, im Rücken die Dünen. Das ist der weiteste Strand der Insel und zugleich der windigste: Es gibt dort nichts, was den Passat aufhält.
San Agustín hat dunkleren, gröberen Sand und deutlich weniger Betrieb. Wer Ruhe sucht und auf helles Postkartenbild verzichten kann, ist hier besser aufgehoben.
Playa de Amadores bei Puerto Rico und die Bucht von Anfi del Mar sind beide künstlich angelegt: heller Sand, von Molen geschützt, kaum Wellen. Genau deshalb sind sie mit kleinen Kindern die einfacheren Adressen — und genau deshalb sind sie voll.
Puerto de Mogán hat nur einen kleinen Strand neben dem Hafen. Wer dort wohnt, wohnt wegen des Ortes, nicht wegen des Sandes.
Was alle gemeinsam haben: Natürlichen Schatten gibt es an keinem von ihnen. Sonnenschirm mieten oder mitbringen ist hier keine Frage des Komforts.
Die Entfernungen, die zählen
Von San Agustín bis Puerto de Mogán fährt man über die Autobahn rund eine halbe Stunde. Das klingt nach nichts und ist der Grund, warum man den Wohnort trotzdem sorgfältig wählt: Wer in San Agustín wohnt und dreimal in der Woche ab Puerto Rico ablegt, verbringt jedes Mal eine Stunde im Auto oder im Bus.
Nach Las Palmas sind es vom Süden aus gut fünfzig Kilometer und knapp eine Stunde. Ins Gebirge dauert es kaum kürzer, aber es fühlt sich länger an: Die Straßen hinauf nach Fataga, Tejeda und zum Roque Nublo sind eng und kurvig. Die Tagestouren ins Inselinnere ab dem Süden dauern deshalb 7 bis 9 Stunden und kosten 37,60 bis 79 €.
Was der Süden nicht hat
Er hat keinen alten Stadtkern, kein Museum von Rang und keine grüne Landschaft. Die vier Dinge, für die Gran Canaria überregional bekannt ist — die Altstadt von Las Palmas, die Bergdörfer, die Schluchten und der grüne Norden —, liegen alle woanders. Wer zwei Wochen hier verbringt und die Insel gesehen haben will, plant zwei bis drei Tage ein, an denen er wegfährt.
Und er hat keine Wasserparks: Im gesamten buchbaren Bestand dieser Insel steht kein einziger. Wer mit Kindern reist, findet stattdessen die Parks bei Maspalomas und in Agüimes — was davon in welchem Alter trägt, steht in Gran Canaria mit Kindern.
Wind, Sonne und die beste Tageszeit
Der Wind frischt im Lauf des Vormittags auf und treibt am Nachmittag Sand über die Strände. Für Bootsfahrten heißt das: Die frühe Abfahrt liegt flacher. Für den Strand heißt es: Der Vormittag ist mit kleinen Kindern der bessere Teil des Tages.
Ein paar Mal im Jahr kommt die calima, Saharastaub in der Luft. Dann ist es diesig und drückend heiß, die Sicht reicht keine zwei Kilometer, und der beste Plan liegt drinnen. Schatten gibt es an den Stränden nur den gemieteten und in den Dünen gar keinen.
Das Meer hat zwischen etwa 19 Grad im Spätwinter und 23 Grad im Frühherbst. Es ist Atlantik: Die ersten Minuten sind kühler, als die Bilder vermuten lassen.
Für wen welcher Ort
Mit einem Baby zählt, dass Supermarkt, Apotheke und Strand in Gehweite liegen und der Weg befestigt ist — dafür sind Meloneras, San Agustín und Puerto de Mogán die ruhigeren Adressen; die Einzelheiten stehen in Gran Canaria mit Baby.
Mit einem Kleinkind entscheidet die Länge der Wege. Playa del Inglés und Maspalomas haben alles nebeneinander, und die kurzen Erlebnisse — Kamelritt, U-Boot, Bananenplantage — liegen alle im Umkreis einer halben Stunde. Mehr dazu in Gran Canaria mit Kleinkind.
Wer vor allem auf dem Wasser sein will, wohnt in Puerto Rico oder Puerto de Mogán und spart sich jeden Tag die Anfahrt. Welche Fahrt welche Dauer hat und was du vorher fragen solltest, steht in Bootstour mit Kindern: ab welchem Alter?.
Und wer abends etwas vorhat, kommt an Playa del Inglés nicht vorbei. Das ist kein Urteil über den Ort, sondern eine Tatsache über die anderen sieben.